Rheuma Erkrankungen

Anamnese

Eine sorgfältige Anamnese ist die Voraussetzung einer gezielten Bewertung und Untersuchung. Sie soll erfassen, ob das Problem lokalisiert oder generell, symmetrisch oder asymmetrisch ist, ob es ein akutes oder schon länger bestehendes, chronisches Problem ist, und ob die Beschwerden fortschreitend sind. Des Weiteren ergeben sich aus der Anamnese Hinweise auf einen mechanischen Schaden an den muskuloskelettalen Strukturen oder einen Entzündungsprozess. Die Suche nach Hinweisen für eine systemische Erkrankung oder auch für extraartikuläre Manifestationen ist für den Internisten von großer Bedeutung. Ebenso sollte eine funktionelle Beeinträchtigung oder Behinderung erfasst werden, ebenso wie Befallsmuster und Schmerzverteilung. Regionale Schmerzsyndrome betreffen typischerweise ein einzelnes Gelenk, eine periartikuläre Struktur oder eine Extremität; konservative Orthopäden sprechen von einer Bewegungskette. 

Das Befallsmuster ist in manchen Fällen für eine Gelenkserkrankung typisch. So zeigt etwa die chronische Polyarthritis einen Befall der Handgelenke und der proximalen Interphalangealgelenke der Hände und Füße, während die Psoriasisarthritis auch oft die distalen Interphalangealgelenke der Hände und Füße betreffen kann. Sehr bekannt ist auch die häufige Beteiligung des Großzehengrundgelenkes bei einer Gichtarthritis. Ein symmetrischer Befall weist eher auf eine chronische Polyarthritis hin; die verschiedenen Spondylarthropathien zeigen oft einen asymmetrischen Befall.

Auch eine genaue Erhebung des erstmaligen Auftretens von Schmerzen kann hilfreich sein: Bei der chronischen Polyarthritis ist ein subakuter Beginn über Wochen bis Monate sehr häufig, während bei der Gicht die Beschwerden innerhalb weniger Stunden ein Maximum erreichen. Bei der Fibromyalgie wiederum bestehen die Beschwerden oft schon seit mehreren Jahren. 

Entzündungszeichen sind ein wesentlicher anamnestischer Punkt; ganz typisch ist die palpable synovitische Schwellung des Gelenkes. Daneben besteht auch ein Ruheschmerz, während bei der Arthrose fast immer Belastungs-abhängige Schmerzen und Anlaufschmerzen angegeben werden. Ein weiterer Hinweis auf entzündliche Erkrankungen ist die morgendliche Steifigkeit der Gelenke, deren Dauer das Ausmaß der Entzündung mitunter abzuschätzen erlaubt. 

Systemische Krankheitszeichen beinhalten Müdigkeit, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und subfebrile Temperaturen. Im Falle der Kollagenosen ist es notwendig, gezielt nach Symptomen einer Organ-Beteiligung zu fragen, die von Hautveränderungen und Photosensitivität, über das Raynaud-Phänomen und mögliche Ulcera im Mund-Bereich, bis zu trockenen Augen und Mundschleimhäuten reichen (um nur einige zu nennen).

Zur Beurteilung der funktionellen Fähigkeiten eines Patienten sollten das Aktivitätsspektrum in Freizeit und Beruf, Körperpflege und soziale Aktivitäten erfasst werden.