Ernährungsempfehlungen

Ernährung und Arthritis urica

Die Ursache der Gicht liegt in einer Störung der Harnsäure-Bilanz mit zumeist vermehrter endogener Bildung oder exogener Zufuhr (Purine in der Nahrung) und einer eingeschränkten renalen Ausscheidung. Die Folge davon ist ein Anstieg des Harnsäure-Spiegels im Serum. Bei Überschreiten kritischer Werte kommt es zum Ausfallen von Harnsäure-Kristallen, besonders in den Kälte-exponierten Akren. Dies kann zum Auftreten einer akuten Arthritis führen, wobei am häufigsten das Metatarsophalangeal-Gelenk I (Podraga) betroffen ist. Andererseits finden sich so genannte Gichttophi im Bereich der Ohrmuscheln; und chronisch kommt es zu einer Schädigung der Nieren.

Weltweit findet sich eine Zunahme der Inzidenz der Gicht – bedingt durch eine Zunahme von Adipositas und metabolischem Syndrom, durch eine Zunahme der chronischen Niereninsuffizienz im Gefolge von diabetischer und hypertensiver Nephropathie, und durch Therapie mit Diuretika.

Es wurde daher im Jahr 2004 eine Empfehlung des American College of Rheumatology (ACR) zu einer ernährungsmedizinischen Intervention herausgegeben. Empfohlen wird eine purinarme Kost mit Einschränkung des Konsums von Fleisch, Fisch und einfachen Kohlenhydraten; wobei therapeutisch natürlich primär die Ursachen-Behandlung im Vordergrund stehen muss – also Adipositas, metabolisches Syndrom, usw. Außerdem wird eine vorsichtige Gewichtsreduktion empfohlen. Der Alkohol-Konsum sollte eingeschränkt werden, wobei eine absolute Alkohol-Karenz angestrebt werden muss.

In letzter Zeit wurde auch ein möglicher urikosurischer Effekt von Milchprodukten untersucht. Endgültige Ergebnisse dazu sind noch ausständig. Die vorliegenden Daten sprechen für einen positiven Effekt hinsichtlich Senkung des Harnsäure-Spiegels.

Ernährung und Osteoarthrose

Für die degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates lässt sich kein so klarer Zusammenhang mit Ernährung nachweisen wie bei der Gicht. Bisher konnte lediglich für die Gonarthrose eine signifikante Assoziation mit Adipositas nachgewiesen werden. Für alle übrigen Arthrosen einzelner Gelenke oder für Polyarthrosen konnte in epidemiologischen Studien noch kein Zusammenhang mit Übergewicht oder bestimmten Faktoren der Ernährung belegt werden.

Eine große Studie mit 316 Patienten (ADAPT-Trial) untersuchte den Einfluss von Körpergewichtsreduktion und Bewegungstherapie – beides unter enger medizinischer Überwachung – versus eine übliche Ernährungsberatung bei übergewichtigen Patienten mit Gonarthrosen. Die Kombination einer kontrollierten Körpergewichts-Reduktion mit einem medizinisch überwachten Bewegungsprogramm erbrachte die besten klinischen Ergebnisse. Die Daten der radiologischen Beobachtung sind noch ausständig.

Bis dato kann keine spezifische Ernährungsform für degenerative Gelenkserkrankungen empfohlen werden, allerdings gibt es für den Effekt der Nahrungsmittelergänzung mit Chondroitinsulfat und Glucosaminsulfat umfangreiche Literatur.

Ernährung und chronische Polyarthritis

Die chronische Polyarthritis als wichtigste entzündliche Gelenkserkrankung steht immer wieder im Interesse der Ernährungsmedizin. Auf der einen Seite sind Mediziner weltweit auf der Suche nach bestimmten Nahrungsmitteln als Risikofaktoren für das Auftreten einer cP; andererseits wurden und werden die Einflüsse verschiedener diätetischer Maßnahmen auf die Krankheitsaktivität der cP im Rahmen von Studien untersucht.

Aufgrund epidemiologischer Studien konnte gezeigt werden, dass Patienten mit cP einen höheren Konsum von rotem Fleisch, Fleischprodukten und Gesamteiweiß haben, während die Nahrung einen geringen Gehalt an den Vitaminen A, C, und E aufweist. Auch Alkohol und Kaffee dürften einen Risikofaktor darstellen.

Ebenso stellt eine niedrige Zufuhr von Vitamin D einen möglichen Risikofaktor für verschiedene Autoimmunerkrankungen sowie für das Auftreten akuter Schübe dieser Erkrankungen dar.

Die verschiedenen ernährungsmedizinischen Interventionen lassen sich einteilen in:

  1. lakto-vegetarische und vegane Diäten
  2. mediterrane (Kretische) Diät
  3. „living food“
  4. hypoallergene Diäten - Gluten-freie Kost, elementare Diäten
  5. anti-inflammatorische Diät
  6. verschiedenen Nahrungsmittel-Supplemente

Durch die verschiedenen vegetarischen, veganen oder lakto-vegetarischen Diäten konnte in randomisierten, kontrollierten Studien (wobei die Kontrollgruppen ihre gewohnte Kost fortsetzten) eine signifikante Besserung von subjektiven und objektiven Parametern gezeigt werden. Eine Beurteilung der radiologischen Progression erfolgte durch keine der Studien aufgrund der jeweils nur kurzen Interventionsdauer von zumeist 3 bis max. 13 Monate.

Bei der anti-inflammatorischen Diät handelt es sich um eine Kost mit Erhöhung des Anteils an Omega-3-Fettsäuren, wobei dies einerseits durch eine Steigerung des wöchentlichen Fisch-Konsums erreicht wird, oder andererseits durch Supplementierung in Form von Fischöl-Kapseln. In den bisher durchgeführten Studien konnte eine signifikante Verbesserung der Krankheitsaktivität sowie ein verminderter Bedarf an NSAR und Glukokortikoiden gezeigt werden. Radiologisch und funktionell konnten keine Unterschiede zwischen den Behandlungs- und Kontrollgruppen gefunden werden.

Bei der mediterranen Kost handelt es sich um eine Nahrungsform, die durch Olivenöl reich an Omega-9-Fettsäuren ist. Zusätzlich wird der Fleisch-Konsum reduziert und der Fisch-Konsum gesteigert. Es konnte im Rahmen der Studie eine signifikante Reduktion der Krankheitsaktivität und des CRP-Wertes sowie eine Verbesserung funktioneller Parameter gezeigt werden.

Unter „living food“ wird eine streng vegane, ungekochte Kost verstanden, die durch fermentierte Nahrungsmittel ergänz wird. Die Dauer der durchgeführten Studien betrug 1 bzw. 3 Monate. In diesem Zeitrahmen konnte eine signifikante Verbesserung subjektiver Parameter gefunden werden, während objektive Parameter, funktionelles Assessment und Laborwerte weitgehend unbeeinflusst blieben.

Auf einer möglichen Nahrungsmittel-Allergie als pathogenetischer Faktor der cP beruhen die verschiedenen Studien, die mit hypoallergenen Diäten arbeiten. Einerseits kommt hierbei eine so genannte elementare Diät zur Anwendung. Hierbei handelt sich um synthetische Flüssignahrung, die Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette in ihrer elementarsten Form enthält, ergänzt durch Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Andererseits wird eine hypoallergenen Diät durchgeführt, wobei bewusst auf bekanntermaßen Allergie-auslösende Nahrungsmittel – Weizenmehl, Erdbeeren, Schokolade, Milch, Paradeiser, usw. – verzichtet wird. Eine Gruppe in der Türkei führte primär eine Austestung auf verschiedene Nahrungsmittel mittels Hauttests durch und adaptierte dann die Diäten individuell für jeden einzelnen Patienten. All diesen Studien gemeinsam ist eine höhere Rate an Respondern in den jeweiligen Behandlungsgruppen, während die Unterschiede in der Krankheitsaktivität nicht signifikant sind.

Für Selen in einer Dosierung von 200mg täglich konnte in einer Placebo-kontrollierten, doppelblinden, randomisierten Studie kein Einfluss auf die klinische Symptomatik gezeigt werden. Vitamin E in einer Dosierung von 1200mg täglich zeigte – ebenfalls in einer Placebo-kontrollierten, doppelblinden, randomisierten Studie – eine Verbesserung der Schmerzsymptomatik ohne Beeinflussung der entzündlichen Aktivität.

Zusammenfassend kann aufgrund der vorliegenden Daten ein positiver Effekt auf die entzündliche Aktivität der cP durch eine vermehrte Zufuhr von Omega-3- und Omega-9-Fettsäuren – in Form von Meeresfisch, Oliven-, Leinsamenöl, Soja, Samen und Gemüse -, durch einen erhöhten Anteil an Antioxidantien – Obst und Gemüse -, und durch eine Einschränkung der Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren – in Form von Fleisch, Mais- und Sonnenblumenöl – erreicht werden. Dies sollte jedoch nur ergänzend zu den anerkannten Basistherapien erfolgen, weil bisher noch Studien hinsichtlich einer radiologischen Progression ausstehen.

Wichtig ist es, im Zusammenhang mit Ernährung und cP, auch die Folgeerkrankungen der chronischen Entzündung zu beachten. Hierbei steht an 1.Stelle das erhöhte Risiko für das Auftreten einer Osteoporose. Prophylaktisch ist auf eine ausreichende Zufuhr von Calcium und Vitamin D zu achten. An 2.Stelle steht das vorzeitige Auftreten einer Arteriosklerose – im Rahmen der Entzündung sowie assoziiert mit einer häufig notwendig Glukokortikoid-Therapie. Prophylaktisch ist auf eine Normalisierung des Körpergewichtes und auf eine Cholesterin-arme Kost zu achten.