Schmerzbilder nach Alphabet

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Chondrokalzinose

Synonyme

Pseudogicht
Man unterscheidet nach vorliegender Klinik eine akute Mon- oder Oligoarthritis, rezidivierende Schübe einer subakuten, rezidivierenden, entzündlichen Polyarthropathie und chronische Gelenksschmerzen.
Zumeist handelt es sich um eine primär und isoliert auftretende Erkrankung. Gelegentlich finden sich auch familiäre Häufungen. Die ersten Anfälle treten bei familiären Formen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf, während sich die sporadischen Fälle meist erst deutlich später manifestieren. Die Häufigkeit wird mit ca. 6% unter den 60-70-Jährigen, 15% unter den 80-90-Jährigen und 30-60% unter den 90-Jährigen geschätzt.
Es handelt sich um das Ausfallen von Kalziumpyrophosphatkristallen mit Auslösen von akuten und chronischen Entzündungen.
Am häufigsten finden sich klinisch stumme Verlaufsformen, die zufällig bei Röntgenuntersuchungen oder pathologisch-anatomischen Untersuchungen entdeckt werden.

Die möglichen klinischen Typen sind:
1) Eine akute Mon- oder Oligoarthritis, die auch als Pseudogicht bezeichnet wird. Am häufigsten sind hierbei die Kniegelenke, weniger häufig die Handgelenke betroffen. Praktisch nie findet sich eine Arthritis im Großzehengrundgelenksbereich (DD zur Gicht). Innerhalb von 1 Tag bis 4 Wochen kommt es zu einem spontanen Rückgang der Beschwerden. Ebenso wie bei der Gicht findet sich eine Assoziation mit schweren Krankheiten oder chirurgischen Eingriffen.
2) Schübe einer subakuten, rezidivierenden, entzündlichen Polyarthropathie. Diese dauern meist einige Wochen bis Monate an. Typisch sind eine beschleunigte BSG und ein positiver RF, wodurch eine Verwechslung mit der rheumatoiden Arthritis möglich ist.
3) Chronische Gelenksbeschwerden, die an das Bild einer Polyarthrose erinnern. Hier ergeben sich erst durch die bildgebenden Untersuchungen die Hinweise auf eine zugrunde liegende Chondrokalzinose.
4) Destruktive mon-, oligo- und auch polyartikuläre Arthropathien. Diese entwickeln sich meist relativ rasch innerhalb weniger Monate und führen zu schweren Destruktionen der betroffenen Gelenke. Am häufigsten betroffen sind das Kniegelenk, sowie in absteigender Häufigkeit Schulter-, Hüft-, Hand-Ellbogen- und Sprunggelenke.

Klassische Lokalisationen der Kalziumpyrophosphatablagerungen, die mitunter gezielt gesucht werden müssen, sind die Sternoclavicular-, Acromioclaviculargelenke und die Chondroses sternales, die Iliosacralgelenke, die Symphyse, der Anulus fibrosus im Bereich der Zwischenwirbelkörper sowie Sehnen, die Plantaraponeurose und Sehnenscheiden.
Im Rahmen eines akuten Anfalles findet sich mitunter eine Erhöhung der BSG und eine diskrete Leukozytose. Des Weiteren können Rheumafaktoren schwach positiv vorliegen. Bei Assoziation mit einem Hyperparathyreodismus kann sich eine Hyperkalzämie, verbunden mit einer Hyperphosphatämie, finden. Der Beweis für das Vorliegen einer Chondrokalzinose liegt im Nachweis von Kalziumpyrophosphatkristallen in der Gelenksflüssigkeit.
Die charakteristischen und diagnostischen Bilder sind ein getüpfelter, fortlaufender Saum im Gelenkknorpel, der die Kontur der Kortikalis verdoppelt., eine charakteristische Gabelbildung im Bereich der Menisci, Verdichtungen im Bereich des distalen Radioulnargelenkes (im Discus articularis), körnig-flächige Verdichtungen in der Gegend der Gelenkskapseln, fein peripher-gelegene, blätterteigartig-aussehende Verschattungen auf Höhe der Disci intervertebrales sowie weniger häufig eine Verdichtung im Nucles pulposus; des Weiteren eine lineare Verdichtung der Symphyse und feine, lineare Verschattungen in einigen Sehnen.

Am häufigsten betroffen sind:
Menisci in 95%
Gelenksknorpel in70%
Handwurzeln in 45%
Symphyse, Hüften und Schultern in 30%
Disci intervertebrales, Malleolli, Ellbogen-, Metacarpophalangealgelenke in 10-30%
Zehen- und andere Gelenke in 5-15%

Bei Vorliegen einer Monarthritis besteht die Therapie in der diagnostischen und therapeutischen Punktion mit anschließender Glucocorticoidgabe, sodass in der Regel nach 12 Stunden eine Restitutio ad integrum erreicht wird. Des Weiteren kommt die Gabe von NSAR- sofern keine Kontraindikationen vorliegen - in Frage.
Bei den chronischen Verlaufsformen liegt eine wesentliche therapeutische Schiene im Bereich physikalisch-physiotherapeutischen Maßnahmen.