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degenerative Wirbelsäulenerkrankungen

Synonyme

Spondylarthrose, Spondylose
Die degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen stellen mengenmäßig die bedeutendste Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis dar. Ca. 45 % aller geklagten rheumatischen Beschwerden sind darauf zurückzuführen. Insgesamt wird die Häufigkeit des "Rückenschmerzes" von Erwachsenen zwischen dem 30. und 60.Lebensjahr in Mitteleuropa auf 80 % geschätzt, wobei am häufigsten lumbovertebrale, gefolgt von thorakalen und cervicalen, Beschwerden auftreten.
Insgesamt findet man eine Zunahme der Prävalenz mit steigendem Alter. Die Klinik und die Ursachen des Rückenschmerzes sind vielfältig, so dass eine genaue Anamnese-Erhebung sowie eine eingehende klinische Untersuchung für die exakte Diagnose und adäquate Therapie unumgänglich sind.
Das Symptom "Rückenschmerz" gehört in den westlichen Industrieländern zu den häufigsten Krankheitsbildern. Männer und Frauen sind annähernd gleich häufig betroffen. Die Inzidenz und Prävalenz von degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule nimmt mit dem Alter zu.
Anatomisch und funktionell wird das Bewegungssegment im Bereich der einzelnen Wirbelsäulenabschnitte definiert. Dabei handelt es sich um einen Wirbelkörper mit seinen benachbarten Strukturen, also dem kranialen und kaudalen Diskus, und mit seinen Verbindungen zu dem darüber- und darunter-liegenden Wirbelkörper Die degenerativen, also teils abbauenden, teils reaktiv-produktiven, Veränderungen des Bewegungssegmentes äußern sich in Form einer Chondrose (degenerative Veränderung des Bandscheibengewebes), einer Osteochondrose (zusätzlich Einbeziehung der Grund- und Deckplatte in die degenerativen Umbauvorgänge der Bandscheibe), einer Spondylose (Auftreten von reaktiv appositionelle Knochenzacken an den Wirbelkörperrändern = Spondylophyten), und einer Spondylarthrose (als Folgezustand der genannten Veränderungen).
Außerdem finden sich Arthrosen der Intervertebralgelenke.
Chondrose, Osteochondrose, Spondylose und Intervertebralgelenksarthrosen sind radiologisch-morphologisch fassbare Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule, die per se noch keine Beschwerden zur Folge haben müssen.
Vertebrales Syndrom: Das vertebrale Syndrom ist gekennzeichnet durch eine umschriebene segmentale Haltungsstörung, eine segmentale Störung der Funktion und reaktiv Weichteilveränderungen, wie Tendinosen, Ligamentosen, paravertebrale Tendomyosen, Periostosen der Wirbelbögen und ihrer Fortsätze. Klinisch bedeutsam ist der Nachweis einer Irritationszone. Dabei handelt es sich um eine palpatorisch erfassbare, druckschmerzhafte Quellung im muskulofaszialen Gewebe an topographisch relativ genau definierten Stellen. Mit ihr verbunden ist die funktionelle Fehlstellung (Blockierung) im zugeordneten Bewegungssegment.
Spondylogenes Syndrom (pseudoradikuläres S.): Durch die unmittelbare Beziehung der Bewegungssegmente zum Nervensystem (Rückenmark, Nervenwurzel, vegetatives Nervensystem) sowie zu den Blutgefässen können die Wirbelsäulenerkrankungen eine Reihe von sekundären peripheren Irritationserscheinungen zur Folge haben - die spondylogenen Syndrome. Auf nervalem oder vasalem Weg kommt es zu einer Fortleitung der krankhaften Störungen mit dem Auftreten von Folgeerscheinungen in den Extremitäten oder Körperhöhlen. Klinisch finden sich sensible, motorische, vaskuläre und vegetative Störbilder.
Kompressionssyndrom (radikuläres S.): Es handelt sich um neurologische Krankheitsbilder (ev. auch Durchblutungsstörungen), die durch mechanischen Druck im Raum eines Bewegungssegmentes auf die Medulla, die Nervenwurzeln und/ oder die Blutgefäße entstehen. Ursächlich handelt es sich am häufigsten um Diskushernien, seltener Tumoren, spondylotische Wulstbildungen, degenerative Ligament-Verdickungen, einen Abszeß oder eine Varikosis spinalis. Anamnestisch und klinisch ist der deutlich segmentale Schmerzverlauf (z.B.: L5/S1 mit Ausstrahlung entlang des N. ischiadicus vom M. glutaeus maximus an der Rückseite von Ober- und Unterschenkel bis zum lateralen Fußrand und die lateralen Zehen) charakteristisch.
Entzündungswerte sind, wie bei allen degenerativen Erkrankungen, unauffällig.
Röntgenuntersuchungen zeigen die genannten Veränderungen des Bewegungssegmentes - Chondrose, Osteochondrose, Spondylose, Spondylarthrose. Funktionsaufnahmen erlauben Rückschlüsse auf die Mobilität der betroffenen Wirbelsäulen-Abschnitte.
Die Myelographie kommt als Zusatzuntersuchung bei unklaren MRT- und CT-Befunden heute nur mehr sehr selten zum Einsatz.
Die Computertomographie ist insbesondere zur Darstellung von knöchernen Veränderungen indiziert, während die Magnetresonanztomographie für die Darstellung von Weichteilgewebe, im Bereich der Wirbelsäule also für die Diagnostik des Bandscheiben-Prolaps, von postoperativen Syndromen und neurologischen Erkrankungen, geeignet ist.
Für die Objektivierung von Kompressionssyndromen sowie von spondylogenen Syndromen kommt die Elektroneurographie zum Einsatz.
Entzündliche Affektionen der Wirbelsäule - im Rahmen von Spondylarthropathien oder infektiöser Genese.