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Morbus Forestier

Hyperostosen der Wirbelsäule - als Kardinalsymptom - konnten bereits bei Skeletten der Cro-Magnon-Menschen und von ƒgyptern des Altreiches gefunden werden.
Es handelt sich um eine insgesamt häufige, nicht-entzündliche (degenerative) Erkrankung der Wirbelsäule, die in der 2.Lebenshälfte manifest wird und meist einen gutartigen Verlauf aufweist. Charakterisiert ist sie durch eine hyperreaktive Verknöcherung des perivertebralen Bindegewebes sowie der extravertebralen und juxtaartikulären Sehnen- und Bandansätze.
Es handelt sich um die häufigste nicht-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule, mit steigender Prävalenz im Alter (5% der Bevölkerung in Europa > 40 Jahre, > 10% der Bevölkerung in Europa > 80 Jahre).
Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Ein Auftreten vor dem 50.Lebensjahr ist sehr selten.
Trotz erst lückenhaft geklärter Pathogenese gilt es als gesichert, dass eine generelle "osteoplastische" Disposition Voraussetzung ist. An externen Faktoren wurden Vitamin A und einer Retinoid-Therapie eine Rolle in der Pathogenese zugeschrieben. Auch besteht eine Assoziation mit Diabetes mellitus Typ II bzw. mit gestörter Glucose-Toleranz, wobei die in diesen Fällen erhöhten Insulin-Spiegel ursächlich verantwortlich sein könnten. Des Weiteren kommt mechanischen Faktoren eine triggernde Rolle zu.
Klinisch stehen periartikuläre Schmerzen, Schmerzen von begleitenden Arthrosen sowie von Insertionsossifikationen im Vordergrund, während selbst ausgeprägte Hyperostosen der Wirbelsäule mitunter symptomfrei verlaufen können.
Bei der physikalischen Untersuchung findet sich eine verstärkte BWS-Kyphose bei gut erhaltener Beweglichkeit der LWS. Auch cervical findet sich meist eine gut erhaltene Beweglichkeit, selbst bei Vorliegen ausgeprägter radiologischer Befunde.
Sämtliche Laboruntersuchungen sind unauffällig.
Die Diagnose der Spondylosis hyperostotica ist eine rein radiologische, wobei die klassischen Hyperostosen mit manchmal grotesken Ausformungen und die gelegentlich überschießenden Knochendorne an den Insertionen im Extremitätenbereich und im Becken beweisend sind. Betroffen ist immer die BWS, in 60-70% die LWS und in ca. 50% die HWS, vor allem im kaudalen Abschnitt.

Nach Resnick et al. wurden radiologische Diagnosekriterien definiert -
* "fließende" anterolaterale Verknöcherungen von mindestens 4 benachbarten Wirbelkörpern
* Erhalt der Höhe der Zwischenwirbelräume
* Fehlen eines "Vakuumphänomens" oder einer Wirbelkörper-Randsklerosierung
* Fehlen von Ankylosen der Zwischenwirbelgelenke, keine Erosionen, Sklerosen oder Fusion der Iliosakralgelenke
Wichtig ist insbesondere das Abgrenzen der entzündlichen Wirbeläulenaffektionen, insbesondere der Spondylitis ankylosans, des SAPHO-Syndroms und der Spondylitis psoriatica. Auch endokrinologische Erkrankungen, wie die Akromegalie, können ähnliche Veränderungen der Wirbelsäule zur Folge haben. Des Weiteren kommen differentialdiagnostisch ein M. Paget, eine Chondrocalcinose oder eine Ochronose in Betracht.
Nativröntgen

Bei Vorliegen von schmerzhaften Zuständen kommen Analgetika, ev. in Kombination mit Muskelrelaxantien, weniger NSAR, zum Einsatz. Auch physikalisch-physiotherapeutische Maßnahmen haben in einem Gesamtkonzept eine wesentliche therapeutische Bedeutung.
Eine spezifische Therapie ist nicht bekannt.