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Morbus Scheuermann

Bei der juvenilen Osteochondrose handelt es sich um eine Wachstumsstörung der Wirbelkörper, die zwischen der 12. und 15.Lebensjahr beginnt und radiologisch durch Konturunregelmäßigkeiten der Grund- und Deckplatten gekennzeichnet ist. Am häufigsten ist der mittlere Bereich der Brustwirbelsäule betroffen, was einen Hohlrundrücken zur Folge hat.
Eine familiäre Häufung wird beobachtet.
Skelettfunde im Nahen und Fernen Osten aus dem 3. Jahrtausend vor Christi Geburt legen nahe, dass die juvenile Osteochondrose bereits damals auftrat und dass die Erkrankung damals insgesamt häufiger war.
Angaben zur Häufigkeit sind äußerst vage und schwanken zwischen 6 und 64%; auch hinsichtlich der Geschlechter-Verteilung besteht Unklarheit.
Eine genetische Komponente wird durch Zwillingsstudien vermutet.
Es bestehen Assoziationen zwischen der juvenilen Osteochondrose und dem gehäuften Auftreten von Chordarückbildungsstörungen und Fehlbildungen der Wirbelsäule.
Eine aseptische Nekrose im Bereich der Zentren sekundärer Ossifizierung der Wirbelkörper bzw. der Epiphysenringe wurde beschrieben. Die mechanische Resistenz der knorpeligen Wirbelkörperabschlussplatten ist insgesamt vermindert.
‹blicherweise findet man einen Beginn zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr. Je nach befallenem Wirbelsäulen-Abschnitt finden sich unterschiedliche klinische Bilder.
So führt die Brustwirbelsäulen-Manifestation zum Auftreten eines Rundrückens. Hingegen sind Schmerzen charakteristisch für einen Befall der Lendenwirbelsäule.
Im Vergleich zur idiopathischen Skoliose ist die juvenile Osteochondrose weitgehend rotationsstabil.
Der Verlauf der Erkrankung und die radiologischen Befunde sind oft nur mäßig konkordant. Der Beginn der Erkrankung ist in jedem Fall symptomlos und bleibt damit meist unerkannt.
Mit Abschluss der Pubertät sind die Deformierungen weitgehend fixiert, wobei dann zunehmend belastungsabhängige Schmerzen im Vordergrund des klinischen Bildes stehen.
Sämtliche Laboruntersuchungen sind unauffällig.
Die Diagnose der juvenilen Osteochondrose kann nur radiologisch gestellt werden. Dabei werden 2 Typen unterscheiden - Typ I mit 3 oder mehr aneinandergrenzenden Wirbelkörpern mit Keilform von 5∞ oder mehr und Typ II mit Endplattenunregelmäßigkeiten, anterioren Schmorl-Knötchen und Verschmälerung des intervertebralen Bandscheibenraums oder aber mit akut-traumatischer, intraossärer Bandscheiben-Herniation.
Radiologisch lässt sich die juvenile Osteochondrose nahezu immer sichern. Nur selten kommen andere Erkrankungen differentialdiagnostisch in Betracht. Es sind dies Fehlhaltungen, die rachitische Kyphose, Skoliose, Spondylitis ankylosans, infektiöse Spondylitiden, enchondrale Dysostosen, posttraumatische Störungen und auch Tumoren.
Bis dato gibt es keine kausale Therapie. Konservative Maßnahmen beruhen vor allem auf einer funktionellen Kräftigung der Rücken- und Rumpfmuskulatur. Eventuell kommt in Kombination mit diesen Maßnahmen eine Reklinationsbehandlung im Korsett in Frage.
Bei schweren Kyphosen, progressiver schwerer Kyphose, die von einer Korsettbehandlung unbeeinflusst bleibt, starken behindernden Schmerzen und neurologischen Symptomen besteht die Indikation für eine operative Therapie.