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Tendovaginitis

Synonym von

Es handelt sich hierbei um Schwellungen und Verdickungen des Sehnengleitgewebes bzw. der Sehnenscheiden. Besonders häufig betroffen sind die Streck- und Beugesehnen von Fingern und Händen, die Strecksehnen am Fuß, die Sehnen im Verlauf der Mm. tibialis anterior et posterior sowie der Sulcus bicipitalis am Oberarm.
Eine Sonderform ist die Tendovaginopathia stenosans. Dabei handelt es sich um eine isolierte Verdickung des Ringbandes im Verlauf der Sehnenscheide an der Beugesehne des Daumens oder eines Langfingers, die mit einer knotigen Verdickung, einem Bewegungsreiben und dem Auftreten eines "schnellenden Daumens bzw. Fingers" verbunden ist.
Mit Ausnahme der Tendovaginitis stenosans, die auch bei älteren Menschen vorkommt, handelt es sich um Erkrankungen des jungen Erwachsenenalters.
Es handelt sich um eine chronische Entzündung der inneren Schichten der Sehnenscheiden. Meist findet sich eine Hyperämisierung und zum Teil auch Kapillarisierung des Bindegewebes.
Das Charakteristikum sind die praktisch nur bei Bewegung und Anspannung im Sehnenscheidenverlauf auftretenden Schmerzen.
Selten findet sich klinisch eine geringfügige Schwellung und/oder ‹berwärmung.
Sämtliche Laboruntersuchungen sind unauffällig.
Die Röntgenuntersuchungen der betroffenen Gelenksregionen zeigen keine Auffälligkeiten.
Mittels Ultraschall-Untersuchung kann eine genaue Beurteilung der Größenausdehnung erfolgen.
Die Magnetresonanz-Tomographie kommt zum Einsatz, wenn mit anderen Untersuchungsmethoden keine ausreichend sichere Diagnosestellung möglich ist.
Entzündliche Systemerkrankungen, wie die RA, können mit Tendovaginitiden einhergehen, wobei hier die Laboruntersuchungen sowie die anderen klinischen Befunde die Differenzierung erlauben. Auch infektiöse Tendovaginitiden (bakteriell, tuberkulös) oder Sehnenscheidenphlegmone lassen sich klinisch unterscheiden.

Im akuten Stadium ist mitunter eine Ruhigstellung des betroffenen Sehnen-Muskel-Abschnittes erforderlich. Des Weiteren kommen lokale Kryotherapie und anti-exsudative Externa zum Einsatz. Durch Gleichstrom oder Impulsstrom (5/10/30 mA) lässt sich die lokale Durchblutung verbessern. Günstig ist zumeist eine lokale Infiltrationsbehandlung - mit einem Lokalanästhetikum und ev. auch einem Glukokortikoid (Cave: Gefahr einer Sehnenruptur bei häufiger Glukokortikoid-Applikation!). NSAR und Analgetika können ebenfalls angewandt werden. Wichtig ist es, jede mechanische Manipulation am schmerzhaften Bezirk und seiner Umgebung zu vermeiden, weil dies 1. schmerzverstärkend ist und 2. meist zu einer Verschlechterung führt.
Das chronische Stadium ist eine Domäne der physikalischen Medizin. Zur Anwendung kommen hyperämisierende und abschwellende Salben, Moor- und Schlammpackungen, Massage der reflektorisch verspannten Muskulatur, Friktionsstäbchen- oder Unterwasserdruckstrahlmassagen. Auch Elektrotherapie in Form der Iontophorese oder diadynamische Impulsströme sowie Kurz- oder Mikrowellentherapie kommen in Frage. Durch lokale oder systemische Applikation von NSAR sollte die Therapie unterstützt werden. Auch die lokale Infiltration mit Glukokortikoiden und Lokalanästhetika ist indiziert.
Bei Vorliegen von Verkalkungen kann mittels extrakorporaler Stoßwellentherapie eine Auflösung versucht werden.
Als ultima ratio, bei konservativ nicht zu beherrschenden Beschwerden, kommen operative Verfahren in Betracht. Bei Vorliegen einer Sehnenruptur ist die chrirugische Sanierung als erste Maßnahme indiziert (ausgenommen veraltete Fälle einer Bizepssehnenruptur bei älteren Patienten).