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thorakale Wirbelsäulensyndrome

Man unterscheidet, wie auch im Bereich der HWS, ein thorakovertebrales Syndrom, ein thorakospondylogenes Syndrom (auch als "Intercostalneuralgie" bezeichnet) und ein thorakales Kompressionssyndrom. Insgesamt deutlich seltener als die lumbalen und zervikalen Syndrome kommt dieser Erkrankungsgruppe eine immense Bedeutung zu, weil hier eine differentialdiagnostische Abgrenzung zu einer Reihe von internistischen Erkrankungen notwendig ist.
Obwohl radiologisch degenerative Veränderungen der Brustwirbelsäule nahezu gleich häufig zu sehen sind wie im Bereich der LWS, werden diese lediglich in 12 % aller Rückenschmerzen manifest.
Wie bei den Wirbelsäulensyndromen im cervicalen und lumbalen Bereich unterscheidet man auch bei den thorakalen Wirbelsäulen-Syndromen 3 unterschiedliche Krankheitsbilder.
Das vertebrale Syndrom ist gekennzeichnet durch segmental lokalisierte Schmerzen mit Abhängigkeit von Haltung, Bewegung und Belastung. Meist besteht eine segmental umschriebene Steifigkeit oder auch Halte- und Kraftlosigkeit. Wenn es zum Auftreten einer lokalen Blockierung kommt, so äußert sich dies in akut einschießenden, starken Schmerzen. Klinisch finden sich in den betroffenen Segmenten die charakteristischen Druck-, Verschiebe- und Schüttelschmerzen, sowie reaktive Weichteilveränderungen in Form von Tendinosen, Ligamentosen und paravertebralen Tendomyosen und Periostosen. Diese klinischen Veränderungen werden als Irritationszone bezeichnet.
Spondylogene Syndrome sind im Bereich der BWS das wahrscheinlich häufigste Zustandsbild. Durch die pseudoradikuläre Ausstrahlung ist die differentialdiagnostische Abgrenzung zu kardialen und abdominellen Erkrankungen von großer klinischer Bedeutung.
Selten finden sich echte mechanische Druckläsionen im thorakalen Bereich. Am häufigsten findet man eine laterale Diskus-Protrusion mit Kompression der langen Rückenmarksbahnen. Abhängig von der Höhe der Protrusion finden sich klinisch anfänglich sensible Störungen; erst später folgen motorische Störungen und Reflex-Ausfälle.
Insbesondere im Bereich der Brustwirbelsäule ist eine Suche nach malignen extra- und intraspinalen Tumoren notwendig. ƒhnliche klinische Zustandsbilder finden sich bei perforierten Ulcera oder bösartigen Geschwüren der hinteren Abdominalwand, bei Aortenaneurysmen, Myokardinfakt und Nierenkoliken. Auch infektiöse Spondylitiden und ein Herpes zoster können sich throrakal manifestieren.
Medikamentöse Schmerztherapie, physikalische Maßnahmen, Erlernen einer spezifischen Wirbelsäulengymnastik und eine Rückenschulung zur Entlastung der Wirbelsäule, sowie diverse operative Maßnahmen bei Vorliegen von motorischen Defiziten müssen in das Gesamtkonzept der therapeutischen Maßnahmen eingeschlossen werden.
Auch lokale Infiltrationstherapien sowie die manuelle Medizin hat hier - bei richtiger Indikation - eine wesentliche Bedeutung.